Schwarzburger Gespräche 2012

Nachricht, veröffentlicht von Ines Kinsky am 30.09.2012

Die letzte Septemberwoche 2012 war für die Leader Aktionsgruppe und insbesondere für die Akteure im Schwarzatal arbeitsreich. Nachdem mit der Tourismuskonferenz am Montag ein wichtiger Schritt in Richtung Mitverantwortung der Leistungsträger gelungen war, haben rund 50 Teilnehmer der Schwarzburger Gespräche am Freitag und Sonnabend an den Inhalten und Visionen der neuen Leader Entwicklungsstrategie gearbeitet.

Im Kaisersaal der Schwarzburg
Im Kaisersaal der Schwarzburg

In allen Vorträgen und Meinungen war ein roter Faden erkennbar: Der Wille zur konsequenten Umsetzung einer regionalen Wertschöpfung.

Prof. Witticke brachte den Gedanken bereits am ersten Veranstaltungstag auf den Punkt: "Wir müssen einfach nur schauen, wo unsere Potentiale liegen und nach den bestmöglichen Wegen suchen, diese zu nutzen." Damit ist der Rahmen für die neue Entwicklungsstrategie der Leader Region gesetzt.

Die Reflexionen zur Internationalen Bauausstellung Thüringen, angestoßen durch die Vorträge von Prof. Harald Kegler (Bauhaus Universität Weimar) und Dr. Burkhardt Kolbmüller (Heimatbund Thüringen, Leader Management Slf-Ru), machten deutlich, dass die besten Wege nicht unbedingt auf eingefahrenen Schienen zu suchen sind. Den mit der IBA Thüringen ausgerufenen "Ausnahmezustand auf Zeit" nutzt die Leader Region als Rahmen, um nach neuen Lösungen für die Herausforderungen im ländlichen Raum zu suchen. Dabei muss es auch erlaubt sein, vermeintlich unverrückbare Rahmenbedingungen außer Acht zu lassen. So stand neben der in Ostthüringen ausdrücklich gewünschten Biomassenutzung, deren weiterer Ausbau im Bereich Saalfeld-Rudolstadt Gegenstand der Zusammenarbeit mit der Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland sein wird, das Thema Windkraft auf der Tagesordnung, obwohl der Bau von Windrädern in Thüringen derzeit fast unmöglich ist. Wenn man regionale Wertschöpfung energetischer Potentiale zu Ende denken will, wird die Diskussion einer für die Region verträglichen Windkraftnutzung an geeigneten Einzelstandorten geführt werden müssen. Denkanstöße zum Thema regionale Energiekreisläufe gaben die Vorträge von Ronny Kilian (Bioenergiregion Jena-Saale-Holzland) und Robert Claus (Naturstrom AG).  

Eine weitere Rahmenbedingung, die auf der Suche nach neuen Wegen mitunter hinderlich sein kann, sind die gesetzten Fördermodalitäten. Eine zu früh vorgenommene Ausrichtung der Entwicklungsstrategie auf förderfähige Sachverhalte wäre nicht zielführend, zumal der Diskussionsprozess zu den konkreten Bedingungen der neuen Förderperiode, insbesondere ein möglicher Multifondsansatz, in Thüringen noch in vollem Gang sind. Hartmut Berndt, einer der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leader Aktionsgruppen Deutschlands, stellte den aktuellen Stand der Entwicklung auf EU- und Bundesebene dar und machte deutlich, welche Chancen die Leader Methode und speziell die über Leader geförderte Netzwerkarbeit und Prozessbegleitung bieten.

Mit großem Bedauern nahmen die Tagungsteilnehmer zur Kenntnis, dass Landrat Hartmut Holzhey nicht teilnehmen konnte. Die aktuelle Entwicklung zum Thema Norovirus und ein eventuell damit im Zusammenhang stehender Betrieb im Landkreis hatten seine Anwesenheit an anderer Stelle zwingend erforderlich gemacht.

Wie 2011 wurde auch 2012 am zweiten Veranstaltungstag die Region in den Blick genommen. Einmal mehr zeigte sich: Das wichtigste Potential sind die Menschen, die mit dem Engagement in Betrieben, Institutionen und Vereinen auf die Region ausstrahlen und damit nicht zuletzt Themen für das regionale Entwicklungskonzept setzen. Dazu gehört die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn, die mit eigenen Projekten und dem persönlichen Engagement der Geschäftsführung den Tourismus im Schwarzatal vorantreibt. Der Förderverein Schloss Schwarzburg arbeitet gemeinsam mit der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten daran, dass die Schwarzburg ihre historisch verbürgte Rolle als zentraler Impulsgeber für das Schwarzatal wieder übernehmen kann. Karl-Heinz Bartl (IBU), der im Landkreis mehr als 80 Dörfer in der Dorferneuerung begleitet hat, setzt die Suche nach dorfverträglichen Lösungen für das Problem Gebäudeleerstand auf die Agenda.

Zu den Stärken der Leader Region Saalfeld-Rudolstadt gehören zweifellos ihre regionalen Produkte, die vor dem Hintergrund der Traditionen des Thüringer Kräutergartens das Potential für die Entwicklung einer Regionalmarke haben. Nachdem Ulrike Lilienbecker in ihrem Vortrag Beispiele für die erfolgreiche Vermarktung regionaler Produkte in der Rhön gab und "Lust auf Genuss" gemacht hat, wurde durch das Leader Management der Entwurf eines Projektantrags - Entwicklung Regionalmarke "Thüringer Kräutergarten" - vorgestellt, der zur Bestätigung der Förderwürdigkeit als innovative Maßnahme auf der Tagesordnung der nächsten Leader Mitgliederversammlung steht.

Die Exkursion im Anschluss an die Tagung führte nach Bechstedt und Rottenbach. In Bechstedt, dem kleinen Ort, der sich zur innovativen Keimzelle der Leader Region entwickelt hat, waren mit dem im Bau befindlichen Biomasse-BHKW, dem Obst- und Kulturhof und dem Betrieb des Ökolandwirtes Michael Kögler gleich mehrere Beispiele für regionale Wertschöpfung zu besichtigen. Hauptthema der Gespräche in Rottenbach waren die Pläne der Gemeinde zur Einrichtung eines Regionalladens im ehemaligen Bahnhofsgebäude. Die rege Diskussion der Tagungsbeiträge hatte den Zeitplan des Tages ins Wanken gebracht. Der letzte Exkursionspunkt - die Destillerie Lindner - musste auf einen gesonderten Termin verschoben werden. Für die Vorstellung der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs zur Nachnutzung der Schwarzburg war ebenfalls nicht genügend Zeit gewesen. Auch hier wird es einen gesonderten Termin geben. Die Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge kann bis Ende Oktober im Kaisersaal der Schwarzburg besichtigt werden.    

Veranstalter der Schwarzburger Gespräche 2012 war die Leader Aktionsgruppe Saalfeld-Rudolstadt. Ein Teil der Kosten wird über die Förderung der Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland getragen. Herzlichen Dank an die helfenden Hände: den Förderverein Schloss Schwarzburg, den Obst- und Naturhof Bechstedt und das Gästehaus Stein, die für das leibliche Wohl der Tagungsteilnehmer gesorgt haben. 

Vorträge der Tagung können hier nachgelesen werden: